Rentiere, Samen und Nordlichter bei Tromsø

Wer keine sechs Stunden im Bus durch die Nacht fahren will, findet im Rentier-Camp einen ruhigeren Abend. Du fütterst Rentiere, isst samischen Eintopf und hast mit etwas Glück Nordlichter über dem Lager.

Ein Abend bei samischen Rentierhirten

Beim Rentier-Camp von Tromsø Arctic Reindeer für ~179 € jagst du keine Nordlichter, du verbringst einen Abend bei samischen Rentierhirten. Du triffst Rentiere, wärmst dich in einer Lavvu bei Kerzenlicht, isst ein samisches Menü und hörst Geschichten und einen Joik. Die Nordlichter sind eine Chance, kein Programmpunkt. Die Tour hat 4,7 von 5 bei über 900 Bewertungen und dauert rund viereinhalb Stunden.

Hier erfährst du, was an diesem Abend passiert, wie du dich gegenüber der samischen Kultur verhältst und für wen sich das Camp mehr eignet als eine sechsstündige Busfahrt durch die Nacht.

Der Ablauf von 18 Uhr bis gegen halb elf

Treffpunkt ist der Busbahnhof Prostneset in der Samuel Arnesens gate 5. Das Team erkennst du an den blauen Jacken. Um 18:00 fährt der Bus los, die Fahrt ins Camp dauert 30 bis 35 Minuten. Dort fütterst du zuerst die Rentiere, und die Tiere kommen dabei ganz nah heran. Komm ein paar Minuten früher zum Busbahnhof, denn im Dunkeln und auf glatten Wegen dauert der Weg oft länger als gedacht.

Danach geht es in eine Lavvu, das traditionelle samische Zelt, wo im Kerzenlicht heiße Getränke warten. Das Abendessen gibt es in einer Gamme, einer traditionellen Torfhütte. Die samischen Guides erzählen Geschichten aus ihrer Kultur und singen einen Joik. Gegen 22:30 bist du zurück in Tromsø.

Draußen bei den Rentieren stehst du im Schnee, und ein Thermoanzug taucht in der Leistungsbeschreibung nicht auf. Zieh dich deshalb so an, als würdest du länger draußen stehen, mit warmen Schuhen und Handschuhen, die du zum Füttern nicht ausziehen musst. Was sich bewährt hat, steht im Ratgeber zur Kleidung für die Nordlichtjagd. In Lavvu und Gamme sitzt du danach geschützt.

Der ganze Abend läuft auf Englisch. Wenn dir das zu viel ist, findest du im Ratgeber Nordlichttour mit deutschem Guide, welche Tour einen deutschsprachigen Guide anbietet und wo es einen Audioguide auf Deutsch gibt.

Was auf den Tisch kommt

Das Menü hat drei Gänge. Zum Auftakt gibt es einen Salat mit Räucherlachs. Der Hauptgang ist Bidos, der samische Eintopf mit Rentierfleisch, dazu samisches Brot. Zum Nachtisch folgt ein Schokoladenkuchen mit Blaubeeren. Kaffee und Tee sind inklusive. Auch Kakao und Kekse gehören dazu.

Bidos gibt es auf Wunsch vegetarisch. Gib das am besten gleich bei der Buchung an. Wer mit Kindern kommt, sollte wissen, dass eine Sitzerhöhung für den Bus nicht im Preis enthalten ist. Mehr zu Altersgrenzen und langen Abenden mit Kindern steht im Ratgeber Nordlichttour mit Kindern.

Samische Kultur mit Respekt erleben

Die Samen sind das indigene Volk von Sápmi, einem Gebiet, das sich über den hohen Norden mehrerer Länder erstreckt. Auch Tromsø hat einen samischen Namen, Romsa. Für die Rentierhirten, die dich hier empfangen, sind die Tiere Arbeit und Alltag. Das Camp ist ihr Betrieb und keine Kulisse.

Ein paar Gesten machen den Unterschied. Frag, bevor du Menschen fotografierst. Die Rentiere fütterst du so, wie das Team es dir zeigt. Beim Joik, dem traditionellen Gesang der Samen, hörst du einfach zu. Er ist persönlich und kein Bühnenprogramm. Halte dich mit Mitsingen und Klatschen zurück, solange dich niemand dazu einlädt. Die alte Fremdbezeichnung „Lappen“ empfinden viele Samen als abwertend, sprich deshalb von Samen.

Das rote Nordlicht in der Überlieferung

Nordlichter haben in der samischen Tradition eine eigene Bedeutung. Überliefert ist, dass rote Nordlichter als schlechtes Zeichen galten, das man mit den Toten verband. Kinder holte man ins Haus, und die Menschen warteten still ab. Wer heute mit samischen Guides in der Lavvu sitzt, sollte solche Geschichten als Teil einer lebendigen Kultur hören und nicht als Folklore für Gäste.

Die Physik dahinter ist nüchterner. Grünes Licht entsteht in rund 120 Kilometern Höhe, rotes in rund 250 Kilometern, beide durch Sauerstoff. Kameras nehmen die Farben kräftiger auf als das Auge, deshalb wirkt ein Foto oft bunter als der Moment selbst.

Nordlichter sind hier nur eine Chance

Das Angebot spricht ausdrücklich von einer „Chance“ auf Nordlichter, und das ist ehrlich. Das Camp liegt an einem festen Ort, und der Bus fährt keinen Lücken in der Wolkendecke hinterher. Ist es bewölkt, bleibt der Himmel zu, und du hattest trotzdem einen schönen Abend mit Rentieren und gutem Essen. Die Saison läuft vom 1. November bis Anfang April, also auch durch die Polarnacht in Tromsø, in der es schon am frühen Abend dunkel ist.

Wer Nordlichter mit besseren Aussichten sehen will, kombiniert das Camp mit einer Jagd an einem anderen Abend. Für so einen zweiten Abend empfehlen wir die Nordlicht-Jagd unserer Wahl mit deutschsprachiger Option ab ~87 €, deren Bus bei Bedarf bis nach Finnland ausweicht. Eine Garantie gibt es auch dort nicht, aber die Guides können den Wolken ausweichen.

Der Abend im Rentier-Camp

Rentiere füttern, Bidos in der Gamme und ein Joik, ab ~179 € pro Person, 4,7 von 5 bei über 900 Bewertungen und kostenlos stornierbar bis 24 Stunden vorher.

Für wen wir das Rentier-Camp buchen würden

Für Familien ist der Abend eine gute Wahl. Er beginnt um 18 Uhr, ist gegen halb elf vorbei und hat mit den Rentieren einen Höhepunkt, der nicht vom Wetter abhängt. Auch wer keine sechs Stunden im Bus sitzen möchte oder gern gut isst, ist hier richtig. Für Paare passt der Abend ebenfalls, Kerzenlicht in der Lavvu und ein Menü in der Gamme sind eine ruhige Alternative zum Restaurant in der Stadt.

Weniger passend ist der Abend, wenn Nordlichter für dich der einzige Grund der Reise sind und du nur eine Nacht Zeit hast. Dann ist eine Jagd, die den Wolken hinterherfährt, die bessere Wahl. Wer kein Englisch spricht und jedes Wort verstehen möchte, ist bei einer Tour mit deutschsprachigem Guide besser aufgehoben. Für alle anderen ist das Camp eine schöne Abwechslung zur klassischen Busjagd, gerade in der Mitte einer Reise, wenn du schon eine Nordlichtnacht hinter dir hast.

Beim Preis solltest du ehrlich rechnen. Mit ~179 € kostet das Camp etwa doppelt so viel wie die Nordlicht-Safari, dafür ist ein Drei-Gänge-Menü dabei. Wie die Touren im Preis zueinander stehen, zeigt unser Ratgeber Was eine Nordlichttour in Tromsø kostet. Wer eine ganze Nacht draußen verbringen möchte, schaut sich die Nacht in der Glasdach-Lavvu für ~362 € pro Person an. Den Abend im Camp findest du auch als Tour Nummer fünf in unserem Vergleich. Alle Preise gelten Stand Oktober 2026 und können sich mit Saison und Aktionen ändern.

Fragen und Antworten

Was Leser zum Rentier-Camp fragen

Was kostet das Abendessen im Rentier-Camp bei Tromsø?

Das Camp kostet ~179 € pro Person, Stand Oktober 2026. Im Preis sind der Bustransfer, das Füttern der Rentiere, heiße Getränke in der Lavvu und ein Drei-Gänge-Menü enthalten.

Sieht man im Rentier-Camp sicher Nordlichter?

Nein. Das Angebot spricht nur von einer Chance. Das Camp liegt an einem festen Ort, bei Wolken bleibt der Himmel zu. Wer bessere Aussichten möchte, bucht an einem anderen Abend zusätzlich eine Nordlichtjagd.

Gibt es im Rentier-Camp vegetarisches Essen?

Ja, den Hauptgang Bidos, einen samischen Rentiereintopf, gibt es auch vegetarisch. Vorspeise ist ein Salat mit Räucherlachs, zum Nachtisch gibt es Schokoladenkuchen mit Blaubeeren.

Was ist ein Joik?

Der Joik ist der traditionelle Gesang der Samen. Im Camp singen die samischen Guides einen Joik und erzählen Geschichten. Hör einfach zu, er ist persönlich und kein Bühnenprogramm.

Wann findet der Abend im Rentier-Camp statt?

Die Saison läuft vom 1. November bis Anfang April. Abfahrt ist um 18:00 am Busbahnhof Prostneset, zurück bist du gegen 22:30.